Doris Reisinger

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Doris Reisinger

Doris Reisinger, (geborene Wagner) geboren 1983, ist studierte Theologin und Philosophin. Nach dem Abitur gehörte sie acht Jahre lang der „Geistlichen Familie Das Werk“ an. In dieser Zeit erlitt sie verschiedene Formen geistlichen Missbrauchs. Ihre Erfahrungen hat sie in dem vielbeachteten Buch „Nicht mehr ich. Die wahre Geschichte einer jungen Ordensfrau“ festgehalten. Seit 2017 wirbt sie in zahlreichen Vorträgen zum Thema vor Verantwortlichen und Seelsorgern um ein neues Bewusstsein für das Phänomen geistlichen Missbrauchs in der Kirche.Im Dokumentarfilm #Female Pleasure, der 2018 in die Kinos kam, war sie die christliche Protagonistin. Der Film zeigt fünf Frauen aus verschiedenen kulturellen und religiösen Kontexten, die sich gegen Unterdrückung und für eine selbstbestimmte Weiblichkeit einsetzen.

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Spiritueller Missbrauch in der katholischen Kirche

Aktuelles Buch

Spiritueller Missbrauch in der katholischen Kirche

Herder

Auf den vielfachen sexuellen Missbrauch von Kindern durch Geistliche ist inzwischen eine breite Öffentlichkeit aufmerksam geworden. Noch immer weitgehend im Dunkel liegt dagegen das Phänomen des "spirituellen Missbrauchs", das sexuellen Übergriffen meist erst den Boden bereitet.

Doris Reisinger schildert nun erstmals ausführlich die unterschiedlichen Facetten des Phänomens manipulativer Seelenführung in Gemeinschaften der katholischen Kirche und verdeutlicht diese durch eine Vielzahl realer Fallbeispiele.Auf der Suche nach den tieferen Ursachen für diese Art des Missbrauchs fördert die Autorin dabei die zwiespältige Einstellung der katholischen Kirche zur spirituellen Selbstbestimmung zutage. Was ist unter "geistlichem" oder "spirituellem" Missbrauch zu verstehen? Menschen, die geistlichen Rat oder Hilfe suchen, werden durch Manipulation, Abhängigkeit oder Kontrolle um ihre Selbstbestimmung in Fragen der Weltdeutung und Sinnfindung gebracht.

Der spirituelle Missbrauch hat häufig ebenso gravierende Folgen wie sexuelle Übergriffe. Viele Betroffene zerstört er in ihrem Innersten, einige begehen gar Suizid.Weil die Gemeinschaften Kontakt zur Außenwelt so weit wie möglich unterbinden, bekommen Außenstehende von den seelischen Nöten der Mitglieder nur wenig mit. Ein solches Phänomen ist bislang vor allem aus in sich geschlossenen Sekten oder evangelikalen Freikirchen bekannt. Dass ähnliche Praktiken auch im Umfeld der katholischen Kirche vorkommen, ist entweder ein Tabu oder wird toleriert.

Dieses Buch beschäftigt sich mit diesem Phänomen in der katholischen Kirche und will vor allem Betroffenen und Verantwortlichen helfen, es zu verstehen. Was genau fügt Menschen sogar in kirchlich anerkannten und teils angesehenen Gemeinschaften und Bewegungen solch schweren Schaden zu? Und warum ist das in der Kirche überhaupt möglich? Dabei thematisiert Doris Reisinger auch die tieferen Ursachen für diese Art des Missbrauchs. Ihr aufrüttelnder Weckruf macht deutlich, dass die katholische Kirche das Phänomen nicht länger ignorieren kann. Gerade auch im Zusammenhang mit der Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs gilt es vielmehr, den Blick hierfür zu schärfen.

ET: 2019 | ISBN: 978-3-451-38426-4 | Gebunden | 208 Seiten | 20 EUR